Zustand: "Ernst, aber stabil"

Thalys-"Held" in Kalifornien niedergestochen

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Der US-Soldat Spencer Stone half bei der Bewältigung des Angreifers im Thalys-Zug. 

Sacramento - Vor kurzem erst wurden die Helden aus dem Thalys-Zug von Barack Obama in Empfang genommen. Jetzt wurde einer von ihnen niedergestochen, weil er einer Frau zu Hilfe kam. 

Er wollte einer Frau helfen und hätte für seinen Mut fast schon wieder mit seinem Leben bezahlt: Einer der drei aus den USA stammenden Thalys-"Helden" ist in seiner Heimat Kalifornien niedergestochen worden. Nach Angaben der Polizei wurde der 23-jährige Soldat Spencer Stone in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) bei einem Streit in Sacramento schwer verletzt.

Einen Zusammenhang mit dem verhinderten Attentat in dem Thalys-Schnellzug im August schlossen die Behörden aus. Dem stellvertretenden Polizeichef von Sacramento, Ken Bernard, zufolge geriet Stone in einen Streit mit einer Gruppe von Männern, als er gemeinsam mit vier Freunden, darunter drei Frauen, eine Bar verließ. Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, wollte er offenbar einer Frau helfen, die vor der Bar bedrängt wurde. Ob sie zu seiner Gruppe gehörte, war zunächst unklar. Als der Streit eskalierte, zog einer der Männer sein Messer und stach auf Stone ein.

Der 23-Jährige wurde mit mehreren Stichwunden am Oberkörper in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Dessen medizinischer Leiter Douglas Kirk sagte nach einer mehrstündigen Operation, Stones Zustand sei "ernst, aber stabil". Er bleibe auf der Intensivstation weiter unter Beobachtung.

Fahndung nach Verdächtigen

Wie aus Ermittlerkreisen weiter verlautete, waren mehrere Begleiter von Stone angetrunken. Es blieb aber unklar, ob der Soldat selbst auch alkoholisiert war.

Die Polizei leitete eine Fahndung nach zwei asiatisch aussehenden Verdächtigen in weißen T-Shirts und Jeans ein. Auf Aufzeichnungen von Überwachungskameras ist zu sehen, wie Stones mit einer Gruppe kämpft und sich auf seinem weißen Hemd Blut ausbreitet. Dann sind zwei flüchtige Männer zu sehen, wie sie in ein Auto steigen und mit dem Fahrer davonrasen. Stone war das einzige Opfer der Angreifer.

Der junge Soldat hatte im August zusammen mit zwei Freunden einen schwerbewaffneten Angreifer in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris überwältigt, als dieser das Feuer eröffnete. Die drei US-Bürger befanden sich auf einer Europareise. Gemeinsam mit weiteren Passagieren rangen sie den 25-jährigen Angreifer nieder und verhinderten damit vermutlich ein Blutbad. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Hintergrund des Täters aus.

"Er wird klar kommen"

Stone war bei dem Kampf mit dem Thalys-Angreifer an einer Hand schwer verletzt worden. Für ihren Mut wurden die drei US-Bürger sowie ein Brite später mit dem höchsten französischen Orden geehrt. US-Präsident Barack Obama empfing das US-Trio zudem im Weißen Haus. Der schwerbewaffnete Thalys-Angreifer, der Marokkaner Ayoub El Khazzani, ist in Frankreich des mehrfachen versuchten Mordes mit terroristischer Absicht beschuldigt.

Stones Vater Brian Stones sagte dem "People"-Magazin, sein Sohn werde klarkommen. Alles, was er selbst dazu sagen könne, sei, "dass es in dieser Welt nie an Idioten mangelt". Stones Freund und Mit-Held Alek Skarlatos rief über Twitter zum Gebet für Stones und seine Familie auf. Er selbst war in der vergangenen Woche beinahe Zeuge des Amoklaufs am Umpqua Community College von Roseburg im US-Bundesstaat Oregon geworden, wo ein 26-Jähriger neun Menschen tötete, bevor er sich selbst erschoss.

Skarlatos ist Student der Hochschule, hatte aber an dem Tag geschwänzt, um in Los Angeles für seinen Auftritt in der Fernsehshow "Dancing with the Stars" zu proben.

US-Soldat Spencer Stone wurde niedergestochen

AFP

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