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Besitzer mit wilden „Ausreden“: Tierheim kann sich nach Corona-Lockdown vor Tieren kaum retten

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Von: Berkan Cakir

Ein Kaninchen sitzt in einem Haltekäfig.
Vor allem Kleintiere wie Kaninchen werden in die Tierheime zurückgebracht. © Tim Brakemeier/dpa

Eine ungewöhnliche Abgabewelle erfasst Tierheime: Viele Menschen geben Haustiere zurück, die sie in der Corona-Zeit angeschafft haben. Die Einrichtungen kommen an ihre Grenzen.

Stuttgart/Schorndorf - Der Deutsche Tierschutzbund warnte bereits im Juni vor eine Abgabewelle von Haustieren, die in der Corona-Krise angeschafft wurden. Nun scheint sich die Sorge zu bewahrheiten. Einige Tierheime in der Region um die Landeshauptstadt Stuttgart* berichten von ungewöhnlich vielen Abgaben. Vor allem Kleintiere wie Kaninchen, Hamster und Vögel würden von den Tierhaltern in die Einrichtungen gebracht.

Viele Tierheime wie das in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis*) erhalten derzeit Anfragen für eine Rückgabe. „Bei Kleintieren wie Kaninchen und Vögeln kommen wir langsam an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagt Steffen Töllner, Leiter der Einrichtung in Schorndorf, zur Stuttgarter Zeitung.

Die Abgabewelle sei stärker als es zur Sommerzeit üblich sei

Die Anfragen würden derzeit nicht abnehmen und seien deutlich mehr als in der üblichen Abgabewelle zur Sommerzeit. Auch in Ludwigsburg seien die Grenzen mittlerweile erreicht, sagt die Leiterin des örtlichen Tierheims, Ursula Gericke. Wie in Schorndorf seien vor allem Kleintiere betroffen.

Die Einrichtungen führen das auf unüberlegte und leichtfertige Anschaffungen während der Corona-Krise zu. In der Pandemie gab es einen Haustier-Boom. Laut den Daten des Industrieverbands Heimtierbedarf stieg die Zahl der tierischen Mitbewohner in den Haushalten von 2019 zu 2020 insgesamt um rund eine Million. In 66 Prozent aller Familien mit Kindern lebte vergangenes Jahr ein Haustier, was einem Zuwachs von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Vor allem die Zahl der Katzen und Hunde in den Haushalten stieg an, bei Katzen von 14,7 auf 15,7 Millionen und bei Hunden von 10,1 auf 10,7 Millionen.

Allerdings zeichnet sich auch bei den Vierbeinern ein Negativtrend im Tierheim in Schorndorf ab. Auch Welpen werden dort mittlerweile abgegeben, meist in keinem guten Zustand. „Viele setzen sich vor der Anschaffung nicht damit auseinander, was zur Hundehaltung dazugehört. Und dann sind sie überfordert“, sagt Steffen Töllner. Auch aus diesem Grund müssen Halter künftig einen Test absolvieren, den „Hundeführerschein“* (BW24* berichtete).

Oft bringen die Tierhalter bei der Rückgabe fadenscheinige Ausreden vor

Über die konkreten Gründe, warum die Tiere wieder zurückgegeben würden, könne nur spekuliert werden, sagt der Leiter des Tierheims. Er gehe davon aus, dass viele Tiere für Kinder angeschafft worden seien, die während der Schul- und Kitaschließungen zu Hause bleiben mussten. Oft bekomme der Leiter bei der Rückgabe dann ähnlich klingende Ausreden vorgeschoben. „Meist erzählt man uns nicht die Wahrheit. Es werden Ausreden vorgeschoben, etwa Allergien“, sagt Töllner. Auch zum Teil aus nichtigen Gründen werden Hunde zurückgegeben: Ein Hundewelpe wurde in einem Tierheim abgegeben*, weil er nicht aussah wie erhofft.

Anders sieht es in Stuttgart aus. Im dortigen Tierheim gebe es keine massenhafte Rückgabe von Haustieren: „Tiere, die wir in der Coronapandemie vermittelt haben, kommen nicht zurück“, sagt Marion Wünn, die Leiterin des Tierheims auf Anfrage von BW24. Allerdings hat sich die Einrichtung dafür auch vorbereitet: „Wir haben uns im Vorfeld darüber versichert, dass ein Tier aus unserem Tierheim auch nach dem Lockdown im neuen Zuhause gut weiter versorgt werden kann. Die Nachfragen waren sehr hoch, aber nicht jeder Interessent hat eben aus diesem Grund ein Tier von uns bekommen“, so Wünn. Allerdings sei unklar, wie sich die Lage weiter entwickelt. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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