Lebenslanges Führerscheinverbot

Epileptiker fährt Frau (26) tot: Neue Details schockieren - Staatsanwalt geht in Berufung

+
Epileptiker muss sich vor Würzburger Amtsgericht verantworten 

Ein 32-Jähriger hat bei Würzburg eine Frau tot gefahren. Er hatte seine Medikamente gegen Epilepsie nicht genommen. Die Details schockieren, der Fall wird neu verhandelt.

  • In Würzburg steht ein Mann vor Gericht, der während eines epileptischen Anfalls eine Frau und ihren Hund tot gefahren hat
  • Der 32-Jährige wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.
  • Die Staatsanwaltschaft geht in Berufung.

Update vom 18. Dezember: Drei Jahre Haft lautete das Urteil gegen einen Epileptiker (32). Er hatte eine junge Frau bei einem epileptischen Anfall totgefahren. Außerdem soll er lebenslang seinen Führerschein abgeben. Wie die Mainpost berichtet, ist dem Staatsanwalt das Urteil jedoch zu mild, er legte Berufung ein.

Das bestätigte Jürgen Reiher, stellvertretender Leiter des Amtsgerichts, der Zeitung. Der Fall muss vor dem Landgericht neu aufgerollt werden. Der 32-Jährige leidet nach eigenen Angaben an plötzlichen Bewusstseinsaussetzern. Diese würden ihm seit Jahren das Autofahren eigentlich verbieten. Seinen Führerschein hatte er erst 2017 wiederbekommen, zuvor hatte er einen Unfall mit einem Schwerverletzten. Seit 2009 hatten ihm seine Ärzte vom Autofahren abgeraten, wie die Mainpost weiter schreibt.

Da er seinen Führerschein nach der damaligen Trunkenheitsfahrt unbedingt wiederhaben wollte, habe er seine Epilepsieerkankung 2017 bei der Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU) verschwiegen, wie die Mainpost berichtet. Am Morgen der Todesfahrt habe er seine Medikamente zur Eindämmung der Folgen nicht genommen, sich ins Auto gesetzt und nicht angehalten, obwohl er die Vorzeichen eines Anfalls spürte. Er fuhr mit hohem Tempo über eine vielbefahrene Straße, gab Gas und verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er überfuhr eine 26-Jährige, die noch an der Unfallstelle starb.

Epileptiker wegen Todesfahr verurteilt: Frau und Hund starben bei Unfall

Ursprünglicher Artikel vom 18. November

Würzburg -  Sie war am Dreikönigstag 2018 nur auf einem Spaziergang mit ihrem Hund unterwegs, als sie ein Auto erfasste. Ein 32-jähriger Mann überfuhr die 26-jährige Spaziergängerin auf einem Feldweg im Landkreis Würzburg. Der Fahrer erlitt während der Fahrt einen epileptischen Anfall, den er schon zuvor bemerkt hatte. Aus diesem Grund steuerte er seinen Wagen in den Feldweg, auf dem die Frau spazieren ging. Dennoch verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, in Folge dessen es zu dem tödlichen Unfall kam. Die junge Frau zog sich einen Schädelbruch zu, weshalb sie noch am Unfallort verstarb. Auch ihr Hund wurde schwer verletzt und starb mit seinem Frauchen. 

Unfalls wegen Epilepsie: Angeklagter nahm seine Medikamente nicht

Wegen dieses Unfalls musste sich der Fahrer nun vor dem Amtsgericht Würzburg verantworten. Heute (18.11.) wurde das Urteil verkündet. Der Unfallverursacher muss nun eine dreijährige Haftstrafe antreten und auf Lebenszeit seinen Führerschein abgeben. 

Wie sich während der Verhandlung herausstellte, hatte der Angeklagte am Tag des Unfalls seine Medikamente gegen die Epilepsie nicht eingenommen, das berichtet BR24. Zudem hatte er eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer auf dem Tacho, obwohl auf diesem Weg das Tempo auf 30 beschränkt ist. Laut dem Gutachten hätte ein Unfall bei geringerer Geschwindigkeit vermieden werden können. 

Zu Unfällen aufgrund von epileptischen Anfällen kommt es immer wieder. Eine Epileptikerin verursachte einen Unfall mit mehreren Verletzten. (merkur.de)*

Kurz vor Unfall: Epileptiker bekam Führerschein vorher erst zurück

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Tötung vor. Sie forderte im Prozess eine vierjährige Gefängnisstrafe und eine lebenslange Führerscheinsperre für den Angeklagten, die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Der Unfallfahrer hatte erst kurz zuvor seinen Führerschein zurückbekommen. Dieser war ihm entzogen worden, weil er bei einer Alkoholfahrt einen schweren Verkehrsunfall verursacht hatte. Im Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis hatte er laut Anklage seine wiederkehrenden Anfälle, die ihm seit 2009 bekannt waren, verschwiegen. Vor Gericht sagte er aus, dass er „einfach den Führerschein wieder haben“ wollte. 

In Berlin löste ein Unfall mit einem SUV großes Entsetzen aus. Der Unfallfahrer hatte wohl wegen eines epileptischen Anfalls vier Menschen tot gefahren. 

„Hartes, aber notwendiges Urteil“: Gericht verurteilt Angeklagten 

Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks bei dem Anwalt des Angeklagten, Christian Daxhammer, könne sich der Unfallfahrer „ohnehin nicht mehr vorstellen, jemals wieder Auto zu fahren“ und dass er wegen des Unglücks an Depression leiden würde. Deshalb sei er auch bereit, „eine harte Strafe zu akzeptieren“. Er wolle den Prozess „von der Tendenz hinter sich bringen“, zitiert BR24 den Anwalt. Das Gericht blieb aber schlussendlich unter der von der Anklage geforderten vierjährigen Haftstrafe und setzte nur auf drei Jahre und lebenslangen Führerscheinentzug gegen den Angeklagten. Zur Begründung zog das Gericht die unregelmäßige Medikamenteneinnahme heran. Seine Ärzte hätten ihn grundsätzlich dazu abgeraten Auto zu fahren. Das Gericht sprach deshalb von einem „harten, aber notwendigen Urteil“.

In der Nacht des 15. Novembers raste ein BMW-Fahrer in München einen 14-Jährigen tot. Er wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. 

dpa/BR24/ly

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks 

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare