Wohnformen im Alter

Betreutes Wohnen in einer Wohngemeinschaft

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Seit Jahren steigt die Lebenserwartung in Deutschland an. Dementsprechend werden immer mehr Menschen älter und sind in den späten Lebensjahren auf Hilfe angewiesen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie auf soziale Kontakte oder ihre Selbstständigkeit verzichten müssen. Um pflegebedürftige Menschen dabei zu unterstützen, möglichst autonom zu leben, gibt es ein großes Angebot unterschiedlicher Wohnformen in Deutschland, die das gleiche Motto verfolgen: So viel Hilfe wie nötig, so viel Selbstständigkeit wie möglich. Beliebt ist vor allem das betreute Wohnen in einer Wohngemeinschaft.

Betreutes Wohnen umfasst verschiedene Modelle

Der Begriff „Betreutes Wohnen“ ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Grundsätzlich umfasst er alle Wohnarten, in denen Menschen mit Pflegebedürftigkeit Hilfsangebote und Unterstützung bekommen, sodass sie ihren Alltag möglichst selbstständig verbringen können. Das kann in den eigenen vier Wänden sein, aber auch im Heimverbund. Letzteres ist organisatorisch und räumlich an ein Pflegeheim angebunden und hat den Vorteil, dass Bewohner nicht erneut umziehen müssen, wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Sie bekommen mit dem Einzug individuelle Unterstützungs- und Pflegeangebote, die sich erhöhen, wenn es die Situation erfordert. Allerdings sind solche Wohnmodelle im Vergleich relativ teuer: Im September 2019 betrug die Eigenbeteiligung für einen Heimplatz im Bundesdurchschnitt knapp 1930 Euro – 110 Euro mehr als ein Jahr zuvor.

Zwar verspricht ein Platz im betreuten Wohnen eines Pflegeheims viel Komfort und Sicherheit, doch manch einer fühlt sich in der Umgebung nicht so wohl. Außerdem schätzen viele ältere Menschen ihre Autonomie und sozialen Kontakte und möchten diese trotz Hilfsbedarf im Alltag nicht aufgeben. Für solche Menschen eignet sich deshalb das betreute Wohnen in einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig Hilfestellungen gibt und bei Bedarf Hilfe von außerhalb in Anspruch nimmt. Doch welche Faktoren sollten Interessierte bedenken?

Die eigenen Wünsche für die Lebenssituation im Alter festlegen

Zunächst einmal ist es wichtig, dass sich Betroffene schon frühzeitig mit ihren Wünschen im Alter auseinandersetzen und nicht erst, wenn die Pflegebedürftigkeit schon eingetroffen ist. Schließlich sind sie dann auf schnelle Hilfe angewiesen und haben oft keine Zeit, um ihre eigentlichen Wünsche in die Tat umzusetzen. 

Doch was geschieht, wenn Betroffene aufgrund einer plötzlichen Erkrankung ihre Wünsche nicht mehr selbst vertreten können? Solche Fälle regelt die Vorsorgevollmacht: Mit der Erstellung benennen sie nicht nur ihre Vorstellungen bezüglich Pflege und Wohnsituation, sondern auch eine Vertrauensperson, die den Willen gegenüber privaten und offiziellen Institutionen vertritt. Das erleichtert vor allem die Angehörigen in Akutsituationen, denn die Entscheidung, was der Betroffene möchte, hat er schon selbst getroffenen.

Ohne gegenseitige Hilfestellungen funktioniert der Alltag nicht

Betreutes Wohnen in einer Gemeinschaft ist in der Regel selbst organisiert, das bedeutet, die Bewohner organisieren ihr Leben selbst und nicht durch einen offiziellen Träger. Für Interessierte besteht also die Möglichkeit, entweder selbst eine Wohngemeinschaft zu bilden oder nach Plätzen in einer bestehenden Wohngemeinschaft Ausschau zu halten. Allerdings sind die Plätze begrenzt und zudem sind einem die Leute meist fremd. Sind im Freundes- und Bekanntenkreis also mehrere Menschen, die sich betreutes Wohnen in einer Gemeinschaft vorstellen können, dann können sich einfach alle zusammenschließen. 

Damit alle unter einem Dach zusammenleben können, aber auch einen Rückzugsort innerhalb der Gemeinschaft haben, braucht es eine geeignete Wohnung oder alternativ ein Haus. Vorab sollten sich deshalb alle vorab zusammensetzen und ihre Wünsche und Budgetvorstellungen besprechen. Bei der Wahl der Unterkunft sollten die Bewohner darauf achten, dass das neue Zuhause entweder barrierefrei ist oder mit geringen Mitteln umgebaut werden kann. Wohngemeinschaften können für Wohnraumanpassungen Zuschüsse beantragen, sofern sie einen anerkannten Pflegegrad haben. Neben Zimmern für jeden Bewohner sollte es einen großen Gemeinschaftsraum geben, damit es Platz für gemeinsame Aktivitäten wie Spieleabende oder Abendessen gibt.

Wichtig ist jedoch vor allem, dass alle Bewohner die Pflege und Unterstützung bekommen, die sie benötigen, um gesund und fit im Alltag zu bleiben. Deshalb sollten alle im Voraus über ihren Pflegebedarf und ihre Selbstständigkeit sprechen, um zu sehen, inwiefern sich die Bewohner gemeinsam unterstützen können und wo sie Hilfe von außerhalb brauchen. Je nach Bedarf können 

über einen ambulanten Pflegedienst examinierte Pflegefachkräfte oder Hilfskräfte angefragt werden

. Letztere dürfen in Deutschland ohne Ausbildung nur bei der Grundpflege unterstützen; die medizinische Behandlungspflege wie Blutdruckmessen, Verbandswechsel oder Medikamentengabe obliegt ausgebildeten Fachkräften. 

Fazit: Menschen im betreuten Wohnen fühlen sich gebraucht

Eine Wohngemeinschaft mit älteren Menschen oder sogar pflegebedürftigen Bewohnern ist eine Herausforderung, schließlich stehen alle Bewohner in der Verantwortung, für Organisation und Struktur zu sorgen. Deshalb ist dieses Wohnmodell des betreuten Wohnens nicht für jeden älteren Menschen geeignet. Wer im fortgeschrittenen Stadium der Pflegebedürftigkeit ist, bekommt hier selten genau die Pflege und Unterstützung, die er bewohnt. Ältere Menschen, die noch geistig und körperlich fit sind, sich weitestgehend selbst versorgen können und somit wenig Pflegebedarf haben, können von dieser Wohnform allerdings sehr profitieren. Sie haben dadurch viele soziale Kontakte, sind ein aktives Mitglied der Gesellschaft und können ihren Alltag so selbstständig wie möglich gestalten. In den Bereichen, in denen sich die Bewohner gegenseitig nicht selbst unterstützen können, kommt geschultes Personal zum Einsatz, das ein Auge darauf hat, dass es allen Bewohnern gut geht. So können Menschen gemeinsam ihren Lebensabend verbringen, anstatt in Einsamkeit älter zu werden.

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