Alles rund ums Smart Home

Heimautomatisierung für Hausbesitzer: Aufwand und Nutzen im Überblick

+
Beim Smart Home spielt das Smartphone eine zentrale Rolle: Die meisten Geräte können mit dem Telefon gesteuert oder aus der Ferne aktiviert werden.

Intelligente Mähroboter, sensorgesteuerte Jalousien und immer feuchte Zimmerpflanzen - Smart Homes sind in der Bau- und Technikbranche seit Jahren Buzzwords. Die Idee hinter dem intelligenten Zuhause klingt verlockend: 

Unangenehme oder zeitaufwendige Aufgaben werden ausgelagert, das Haus samt Grundstück reguliert sich von ganz allein. Doch wie realistisch ist die genannte Vorstellung und wie viel Know-How benötigen progressive Eigenheimbesitzer?

Smart Home verlangt eine langfristige Planung

Stell dir Folgendes vor: Du kommst nach Hause, läufst am Mähroboter vorbei und öffnest deine Tür mit dem Smartphone. Sobald du eintrittst, ändert sich das Licht und Musik beginnt zu spielen. Deine Kaffeemaschine stellt gerade eine frische Tasse Kaffee fertig und auf deinem Smartphone erscheinen neuralgische Informationen aus deinem Zuhause. Alles fühlt sich stimmig an - und du brauchst keinen Finger zu bewegen.

Einsatzgebiete der Smart-Home-Technologie:

– intelligente Lichtsteuerung 

– automatisiertes Rasenmähen & Staubsaugen 

– sensorgesteuerte Heizungsregulierung 

– engmaschige Heimüberwachung

– ferngesteuerte Bedienung von Waschmaschinen

– zeitgesteuertes Kaffeekochen 

– automatisiertes Gießen der Zimmerpflanzen

Doch so einfach ist es nicht. Wer ein intelligentes Zuhause aufbaut, steckt erstmal viel Zeit und Geld in das richtige Equipment. Es gilt zu überlegen, welches System zum Lebensstil passt. Geschlossene Systeme, die einen eigenen Funkstandard nutzen und nur innerhalb der originären Produktfamilie erweitert werden, sind einfacher zu installieren und warten. Allerdings fehlt die Möglichkeit, aus der Vielzahl von immer neuen Anbietern Erweiterungen zu wählen und etwaige Spezial-Szenarien zu realisieren.

Anders sieht es mit offenen Smart-Home-Systemen aus, die sich an eben diese individuellen und freien Szenarien richten. Der Hub (also das Herz des Smart Homes) spricht verschiedene Funksprachen und verarbeitet diese, um eine Kommunikation aller Geräte und Sensoren zu ermöglichen. Für den Nutzer bedeutet dies mehr Freiheit - und mehr Installationsaufwand. Dafür sind Hausbesitzer unabhängiger von einem etwaigen Scheitern einer Technologie.

Beispiel Mähroboter: Der Traum vom perfekten Rasen ist Wirklichkeit

Wie groß die Sehnsucht nach einem perfekten und gleichzeitig pflegeleichten Rasen ist, zeigt sich anhand einer Kennzahl. Wie die Firma Viking (Stihl-Gruppe) berichtet, wuchs der Markt für Mähroboter zwischen den Jahren 2011 bis 2015 um etwa 600 %. Die Zeiten, in denen sich Nachbarn samstäglich im Garten mit lauten Rasenmähern grüßten, gehören damit langsam der Vergangenheit an. Heute wird der Mähvorgang entweder programmiert oder via Smartphone gestartet.

Moderne Mähroboter lassen sich programmieren und starten sensorgesteuert ihren Mährvorgang. Das bedeutet, dass der smarte Helfer bei Regen nicht ausfährt und auf gutes Wetter wartet.

Bevor der Rasen jedoch vom Mähroboter bearbeitet wird, sind verschiedene Parameter zu beachten:

– Hat das Grundstück eine Steigung? Dann fallen viele Mähroboter bereits vor dem Kauf heraus. Teurere und leistungsfähigere Modelle sind anzuschaffen. 

– Ist das Grundstück sehr verwinkelt? Dann wird sowohl die Installation des Begrenzungsdrahtes als auch die zukünftige Mähleistung erschwert. Mähroboter arbeiten am besten auf flachen, rechteckigen Gärten. 

– Spielen Kinder im Garten? Dann ist vor jedem Mähvorgang zu schauen, dass keine Spielsachen auf der Rasenfläche liegen. Diese verwirren den smarten Mähroboter und schaden dem Ergebnis. 

– Ist der Garten noch nicht fertig konzipiert? Dann geht jede Veränderung mit dem Neuverlegen des Begrenzungsdrahts einher.

Trotz der verschiedenen Ansprüche, die ein Mähroboter an den Nutzer und an das Grundstück stellt, überwiegen die Vorteile. Das regelmäßige und chaotische Schneiden (der Roboter nutzt immer andere Wege und fährt nicht immer nur das gleiche Muster) stärkt die Grashalme und verhindert, dass Grasschnitt den Kompost überflutet. Die Zeitersparnis ist jedoch der größte Vorteil: Statt die eigene Zeit für den Rasen zu opfern, mäht der Roboter unermüdlich das Gras und spart je nach Größe der Fläche jährlich mehrere Tage an Freizeit ein. Der Nutzen überwiegt den Aufwand um Längen.

Beispiel Smart Locks: Lohnt sich der Kauf eines intelligenten Hauseingangs?

Smart Locks bieten eine komfortable Möglichkeit, um den Schlüsselbund zu entschlacken. Statt den richtigen Schlüssel zu suchen oder im Dunkeln am Türschloss zu kratzen, reicht ein Druck auf das Smartphone, um die Tür zu entriegeln. Mittels Bluetooth-Verbindung erkennt das Smart Lock, wann sich der Hausbesitzer vor der Tür befindet und öffnet automatisch. Und bei Stromausfall stehen Nutzer ebenfalls nicht hilflos vor der Tür - der Schlüssel funktioniert weiterhin.

Ein Smart Lock ist also nur eine Komfort-Erweiterung und kein zusätzlicher Sicherheitsfaktor. Mit dem Unterschied, dass die Gefahr durch Einbrecher sogar verdoppelt wird. Mit Schlüssel und Smartphone stehen Dieben zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um Eintritt zum Haus zu erlangen.

Es gilt zu überlegen, ob die hohen Anschaffungskosten für eine proprietäre Lösung wirklich so viele Annehmlichkeiten ermöglichen; oder ob der normale Schlüssel nicht doch komfortabel genug ist. Richtig lohnenswert ist die Anschaffung eines Smart Locks erst, wenn eine Bridge hinzukommt. Diese sorgt für erweiterte Funktionen, wie etwa das Abschließen via Sprachsteuerung und ermöglicht neue Einsatzgebiete im Smart Home. Nähert sich der Hausbesitzer dem intelligenten Schloss, könnte beispielsweise das Licht im Windfang angehen oder das Musik-Album aus dem Auto fortgesetzt werden.

Ist das Smart Home auch bei Altbauten vorstellbar?

Ganz klar: Ja. Smart Homes setzen in den seltensten Fällen auf eine Abhängigkeit von Kabeln. Stattdessen sorgen WLAN, Funk und Bluetooth für Unabhängigkeit bei der Einrichtung des Smart Homes.

Dennoch gibt es einige Szenarien, die mehr Komfort bieten, wenn sie bereits vor dem Bau bedacht werden. Kabelgebundene Smart-Home-Funktionen arbeiten immer störungsfreier als kabellose Systeme. Die Bedienung motorisierter Rollläden funktioniert beispielsweise optimal, wenn der Schalter bereits mit einer intelligenten Steuerung versehen wird. Sensoren erkennen, wenn die Sonne auf das Haus scheint und fahren die Rollläden automatisch herab; bei zu starkem Wind werden die sensiblen Lamellen einiger Sonnenschutzblenden einfach eingeklappt.

Sensible Rollläden an Fenstern und Türen werden mit Sensorsteuerung vor Schäden bei schlechtem Wetter bewahrt.

Allerdings steht der Nachrüstung auch in diesem Fall nichts im Weg. Dank Funkverbindungen und intelligenter Schalter, lassen sich Spezialfunktionen einfach nachrüsten. Mit einer Fernbedienung oder einem mit dem Hub verbundenen Smartphone lassen sich Rollläden ebenfalls steuern und sogar um nützliche Funktionen erweitern. So könnte ein Heimkino-Modus Einzug finden: Ein Druck auf die Fernbedienung genügt und die Rollläden fahren herab, das Licht wird gedimmt, Fernseher und AV-Receiver schalten sich ein.

Nachrüstung bedeutet jedoch immer einen größeren Einrichtungsaufwand. Schalter sind auszutauschen, Fernbedienungen einzurichten, Hubs zu installieren und Funktionen zu programmieren. Gehen Hausbesitzer dies ohne fachliche Hilfe an, endet die Installation des Smart Homes leicht in Frustration. Es bietet sich deshalb an, Nachrüstungen mit einem Fachmann abzustimmen. Dieser klärt direkt, welche Funktionen möglich sind und ob es zu einer störungsfreien Nutzung kommt.

Fazit zum Smart Home

Smart Homes sind die Zukunft. Sicherheit, Energieersparnis, Komfort und altersgerechte Assistenzsysteme sind laut Statista die Triebfedern der Technologiebereitschaft. Doch jede intelligente Funktion will eingerichtet werden. Hier gilt es abzuwägen, ob bestehende Technologien genügend Komfort bieten; oder ob der Einrichtungsaufwand so viel Mehrwert bietet, dass eine Integration in das Smart Home anzustreben ist.

Dabei gilt: Je geschlossener ein System ist, umso einfacher ist die Einrichtung und Erweiterung. Je offener ein System ist, umso freier ist der Hausbesitzer bei der Auswahl der Smart-Home-Komponenten - und so komplizierter wird die Einrichtung.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare