Projekt Hausbau 

5 Gründe Profis zu engagieren 

Experienced female architect or manager guiding the workers on construction site
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Durch Muskelhypothek Geld zu sparen, ist eine Milchmädchenrechnung. Bloß muß man den Kunden beibringen können. 

Der Trend zur Eigenleistung am Bau kostet das Handwerk jährliche Unsummen. Zwar ist die Hochstimmung im Handwerk ungebrochen, trotzdem wiegt die Zunahme an Eigenleistung schwer.

Ein Gespenst geht in der Branche um. Es bringt immer mehr Bauherrn dazu, bei Neubau oder Sanierung immer größere Teile der Arbeitsleistung selbst zu erbringen. Mit höchst gemischten Ergebnissen zwar, aber immer dem, auch durch diverse Ratgeber geförderten Ziel, die Kosten zu drücken. Dass das allein schon für die Auftragslage keine Erfolgsmeldung ist, ist klar. Doch einem „Leib und Seele“-Handwerker sind solche in „passt schon“-Qualität ausgeführten Arbeiten ein Dorn im Auge der Handwerksehre. Zeit, etwas zu ändern. Der folgende Artikel liefert Argumente, die Profis bei solchen Kunden verwenden können. 


1. Es ist nur eine kurzfristige Ersparnis 

30 Quadratmeter Badezimmer. Den passenden Boden in Eigenregie anbringen – auf der Baumarkt-Homepage wird es ja in neun Schritten erklärt, kann ja nicht schwer sein. „Sieh an, was ich da an Geld gespart habe“ – denkt sich da sicherlich der ein oder andere Bauherr. Was er übersieht, ist die Tatsache, dass seine Leistung bei genauerer Betrachtung auf „Level erstes Lehrjahr“ liegt. Was in der Argumentation mit ihm jedoch weitaus schwerer wiegt, sind zwei andere Tatsachen: 

1. Langzeitkosten 

2. Versteckter Stolz


Denn wenn durch Erfahrungsmangel in Kombination mit ungenügenden Fliesenkleber-Verteilungsfähigkeiten dafür gesorgt ist, dass nach einem halben Jahr der Badezimmerboden wie ein Bruchstein-Mosaik aussieht, muss der Bauherr definitiv tief in die Tasche greifen – denn dann müssen Profis erst sein Werk entfernen und anschließend alles neu machen. Spöttische Blicke sind dann gewiss. 

Diese beiden Argumente sind sehr scharfe Schwerter – und sie lassen sich auf jede Handwerksleistung anwenden. Denn selbst wenn Baumarkt und Internet heute noch so viele Hilfestellungen bieten, können eben nur Profis auch Profiqualität liefern. 


2. Es ist doch genug Geld da! 

Vor vielen Jahren, als gerade Deutschlands erster Baumarkt eröffnet hatte (1968), hatten Bauherrn ein Problem: Die Zinsen für einen Baukredit. 1976 beispielsweise vermeldete der Spiegel aufgeregt, dass für zehnjährige Baukredite „nur“ noch 6,5 Prozent Zinsen gezahlt werden mussten – Monate zuvor hatten sie an der Zehnprozentmarke gekratzt. Trotzdem wurde viel gebaut – fast ausschließlich durch Profis. Und dann werfen wir einen Blick auf die heutige Situation: Selbst bei einer langen Laufzeit von 30 Jahren liegen die mit Abstand teuersten Kredite aktuell nur bei 2,23 Prozent. Der besseren Vergleichbarkeit wegen: Für zehnjährige Kredite sind es heute 1,09 Prozent. 

Schon das ist ein zentnerschweres Argument, denn nominell haben Bauherren durch die geringen Zinsen die finanzielle Potenz, ihr Haus sachgerecht durch Profis erledigen zu lassen. Und falls ein Kunde erhobenen Zeigefingers behauptet, dass heutige Häuser ja viel teurer seien, kann man auf die tatsächliche Preissteigerung unter Berücksichtigung der Inflation verweisen. Die verläuft nämlich absolut linear und analog zu sämtlichen anderen Kosten des Lebens. 

Unterm Strich: Heutige Häuser sind nicht exponentiell teurer als vor 30, 40 Jahren – dafür sind die Zinssätze aber um ein Vielfaches niedriger. Man kann mit Profiunterstützung bauen und zahlt trotzdem nominell weniger als der Vater, der in den 70ern baute.

3. Denk an die Lebenszeit 

Eigenleistung und Handwerkerleistung lassen sich an einer Stelle hervorragend vergleichen: der Zeit. Die meisten Eigenleistungswilligen werden dies nach einer einfachen Formel tun: Für jedes Prozent an eingesparten Handwerkerkosten muss man hundert Stunden Eigenleistung erbringen. 

Natürlich werden Bauherrn nicht genau so rechnen, denn ein Prozent klingt ja nach ziemlich wenig. Sie werden sich also vorrechnen, dass sie mit tausend Stunden ganze zehn Prozent der Kosten einsparen können. Zehn Prozent von 250000 Euro, das klingt doch gut. Mit zweitausend Stunden könnte man sogar zwanzig einsparen. 

Dabei vergessen sie alle eines und es ist die Aufgabe der Profis, ihnen dies glasklar vor Augen zu führen. Tausend Stunden! Das sind 41 Tage, die man ununterbrochen arbeiten müsste. Handwerkerprofis tun das als normale Arbeitszeit. Durch den Bauherrn mit Eigenleistungsphantasie müssen genau die gleichen Leistungen jedoch: 

erbracht werden. Zusätzlich zu seinem normalen Job. Würde ein Bauherr jeden Tag realistische vier Stunden arbeiten, müsste er 250 Tage lang auf jegliche Freizeit verzichten. Ist das lumpige zehn Prozent Ersparnis wert? Oder sind 20 sogar 500 Tage wert? Zudem orientiert sich alles auch noch an Lage und Größe des Hauses. Bei einem Gebäude in Münchens Speckgürtel lässt sich mehr sparen als an einem ansonsten gleichen Haus außerhalb Leipzigs. 

Und dann ist das Ganze eine kolossale Milchmädchenrechnung, die davon ausgeht, dass der Privathandwerker in jeder einzelnen Stunde genauso viel verrichten kann wie ein Profi. Auch das ist illusorisch und muss deutlich unterstrichen und kommuniziert werden.

4. Es sieht einfacher aus, als es ist 

Schaut man sich die Legionen der YouTube-Videos an, blättert durch die zahllosen Ratgeberseiten, so kommt man selbst als Mensch mit gesundem Selbsteinschätzungsvermögen zu der Ansicht „scheint ja kinderleicht zu sein“. Dieser Illusion sitzen zahllose Bauherrn auf. 


Die glauben hernach, sie könnten mit „langjähriger Erfahrung beim Aufhängen von Wandspiegeln und Anklemmen von Deckenleuchten“ den Elektriker spielen und „mal eben“ ihren Rohbau vom Keller bis zum Dachboden verkabeln, Heizungsrohre oder gar die Fußbodenheizung verlegen.

Klar sieht es leicht aus, wenn der „Erklärbär“ im Video das Werkzeug locker schwingt, Schlitz um Schlitz in die Wand stemmt und anschließend verputzt. Was die Bauherren dabei aber vergessen, ist, wie immens das Gezeigte in Arme, Schultern, Rücken geht, wenn man es in einem ganzen Haus machen muss; stundenlang und nicht nur für ein zehnminütiges Video. Das Erwachen kommt immer – aber immer zu spät. 

Denn dann wurde schon für teures Geld Werkzeug gekauft und bis man einen Termin bei einem Profi bekommt, der die Sache korrekt zu Ende bringt, steht mit etwas Pech der Bau still, oder aber man greift abermals sehr viel tiefer in die Tasche, als wenn man gleich zu der Überzeugung gelangt wäre, dass man das lieber Fachleuten machen lassen sollte. 

Tipp: Besonders ungläubigen Kunden kann man blitzartig ein Einsehen bescheren, wenn man ihnen einfach das für die jeweilige Arbeit nötige Werkzeug in die Hand drückt und sie selbst für ein paar Minuten machen lässt. Die meisten verstehen dann sehr schnell, warum eine Handwerks-Ausbildung in der Regel drei bis dreieinhalb Jahre dauert und der Meisterbrief nicht in zehnstündigen Online-Abendkursen zu bekommen ist.

5. Vermittlungstricks 

Mit Honig fängt man mehr Fliegen als mit Essig. Getreu diesem Motto muss auch beim Überzeugen von eigenleistungswilligen Bauherrn vorgegangen werden. Verstocktes „Sie werden sehen, was Sie davon haben“ bringt leider gar nichts. Ein guter Handwerker muss an dieser Stelle ein wenig wie ein Lehrer vorgehen. Da sind Einfühlsamkeit und Verständnis gefragt. Gehen Sie auf den Kunden ein, erklären Sie ihm ruhig und sachlich, warum die Eigenleistung für ihn ein Nachteil ist. Das wird zwar auch nicht alle überzeugen, aber die meisten. 
 

Fazit 

Sehr viele Bauherren glauben heute, dass Eigenleistung ein probates Mittel wäre, dass ihnen erkleckliche Summen an Geld ersparen würde. Profis wissen, dass das falsch ist. Aber es obliegt ihnen, auch die Laien vom Gegenteil zu überzeugen. In den allermeisten Fällen kostet Eigenleistung durch mangelnde Fähigkeiten zusätzlich, sie raubt Lebenszeit, verlängert die Bauzeit und sieht zu allem Überfluss meist auch noch wesentlich schlechter aus, als das Werk von Fachleuten. Wer es schafft, diese vier Punkte verständlich zu machen, der bekommt einen Auftrag mehr.

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