Weg mit den Altlasten

Sommerputz: Warum Ausmisten gerade jetzt richtig ist

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Sommerputz: Warum Ausmisten gerade jetzt richtig ist.

Für die meisten Menschen ist das Frühjahr die Jahreszeit, in der sie sich von alten Dingen trennen. Dabei geht das im Sommer noch viel besser.

Heidelbergs Frauen müssen jetzt stark sein: Sie sind Durchschnitt. Nein, nicht etwa beim Aussehen oder der Figur, sondern etwas viel Schlimmerem, den Schuhen. 17,3 Paar Schuhe besitzen Frauen nämlich durchschnittlich. Und mehr als zehn davon sehen praktisch nie das Tageslicht, denn sie werden nur alle Jubeljahre mal angezogen. Und die Folgen dieser Schuhmanie sind die gleichen wie bei Kleidern und Co: Vollgestopfte Schränke, heilloses Chaos und wenn man mal wirklich etwas braucht (Stichwort Verschlafen), findet man es garantiert nicht. Gut, dass Sommer ist. Denn das ist die perfekte Jahreszeit, um endlich mal richtig auszumisten, denn dann herrscht Urlaubszeit, gutes Wetter und gute Laune. Der folgende Artikel zeigt die schlimmsten Baustellen und wie man sie bezwingt.

1. Baustelle: Die Schuhe

Ja, für so manche Frau sind Schuhe wie beste Freunde, die wirft man nicht einfach weg oder verschachert sie im Netz. Aber die Gegenfrage muss erlaubt sein: Lässt man beste Freunde unbeachtet im Schrank einstauben? Eher nicht, denn Schuhe wollen präsentiert werden. Der erste Schritt sollte also lauten, an seinen Schuhschrank zu gehen und alle Schuhe umzudrehen, sodass sie mit den Spitzen zur Besitzerin zeigen. Dann darf der Schrank wieder geschlossen werden und auf dieser Baustelle herrscht erst einmal Baustopp – vorerst.

In genau einem Monat wird der Schrank wieder geöffnet. Und alle Schuhe, die immer noch mit den Spitzen nach vorne zeigen, werden ausgemistet. Klingt hart, aber so behält man auch bei sehr hohen Schuhzahlen den Überblick – denn wenn man sie einmal anzieht, stellt man sie ja normalerweise mit den Spitzen zuerst wieder in den Schrank. Die Schuhe, die übrigbleiben, kann man auf die typischen Baustellen hin abklopfen. Und dann heißt es Polieren. Denn die Paare, die nun „Survivor“ sind, sollen ja richtig gut aussehen. Schuhe aus Kunstmaterialien können dabei mit etwas Spülmittelwasser und einem fusselfreien Tuch gereinigt werden, für Leder ist jedoch etwas Mehrarbeit vonnöten:

  1. Egal welches Leder, Schmutz nur mit einer weichen Bürste oder einem Tuch entfernen 
  2. Niemals Wasser und/oder scharfe Reiniger verwenden, sondern im Zweifelsfall ein extra Leder-Reinigungsspray – auch bei hartnäckigen Verschmutzungen 
  3. Anschließend eine zum Leder passende Schuhcreme auftragen und, ganz wichtig, trocknen lassen 
  4. Erst dann mit einer weichen Bürste mit kreisenden Bewegungen polieren. Und zwar so lange, bis die Treter schimmern, wie frisch eingeölt

Dann kommen Spanner in alle Schuhe und die guten Stücke dürfen wieder in den Schrank. Und so manche Dame wird sich wundern, wie viel Platz da jetzt schon herrscht. Und was ist mit den ausgemusterten Exemplaren? Entweder eBay (bei hochwertigen Schuhen) oder Altkleidercontainer.

2. Baustelle: Klamotten

Sommerputz: Warum Ausmisten gerade jetzt richtig ist.

Feinfühlige Ladies sollten sich zwischen der ersten und zweiten Baustelle ein paar Tage Auszeit gönnen, denn so viel Trennungsschmerz auf einmal kann aufs Gemüt gehen. Aber: Es wird kein Weg drum herum führen, auch Hosen, Blusen und Co. auszusortieren, denn auf der Haben-Seite steht eine echte Erleichterung für die Seele. Vorteil Sommer: Wer seine Wintersachen anderswo lagert, kann gleich damit anfangen und muss nicht erst lange herumsortieren um Winter von Übergangszeit und Sommer zu trennen. 

Im ersten Schritt wird der Raum, in dem der Schrank steht, großzügig freigeräumt. Das ist notwendig, weil jetzt alles aus dem Schrank herausgenommen wird, was keine Miete zahlt. Ganz wichtig ist es, dass dabei für jeden Kleidungstyp (also Hosen, Oberteile, Jacken usw.) drei Stapel Platz finden:

  • Stapel 1: wird auf jeden Fall ausgemistet 
  • Stapel 2: wird auf jeden Fall behalten 
  • Stapel 3: Unentschieden

Im zweiten Schritt wird mindestens eine, besser zwei gute Freundinnen benötigt. Die sind nämlich dazu da, die Stücke des dritten Stapels im Rahmen einer kleinen Fashion-Show zu bewerten. Das hilft zudem auch, überflüssige Sentimentalität über Bord zu kippen („die passt zwar nicht mehr aber die hab ich doch auf Ibiza gekauft“). Ganz nebenbei ist es auch ein echter Spaß und vielleicht findet sich auf diese Weise für so manches ausgemistete Stück gleich eine dankbare Abnehmerin.

Der dritte Schritt sollte sofort im Anschluss folgen, weil auch da die Helferinnen sehr wertvoll sein können. Es geht darum, die verbliebenen Klamotten zu einer Capsule Wardrobe zu kombinieren. Dabei handelt es sich um ein cleveres „Reduce-to-the-Max“-Prinzip, das sich pro Saison (also rund drei Monate) auf zirka 37 Kleidungsstücke abzüglich Unterwäsche und Accessoires stützt. Der Trick: Diese müssen so gewählt sein, dass sich praktisch alles mit allem kombinieren lässt. Dabei sollten die verbliebenen Kleidungsstücke zu zwei bis drei Grundfarben und einem bis zwei Pastelltönen als Akzent zusammengesetzt werden. 

Wer dann clever ist, besorgt sich Kleidersäcke und stellt aus dem Capsule-Pool bereits einen Grundstock an Outfits zusammen. Nach dem Urlaub muss man an den ersten Tagen dann nämlich nur noch morgens einen Sack herausziehen und hat alles direkt griffbereit zusammengestellt.

3. Baustelle: Schrank

Wer richtiggehend „gewütet“ hat, der steht jetzt vor einem ziemlich leeren Schrank, in dem höchstens die Kleidersäcke der Capsule baumeln. Gut so! Denn das ist auch die Gelegenheit, diese gigantische weibliche Schatztruhe gleich auf das Kommende vorzubereiten – denn sind wir ehrlich: So leer wird der Schrank nicht bleiben (übrigens auch der Grund, warum man mindestens einmal jährlich ausmisten sollte). 

Und da ist es gut, wenn man gewisse kleine „Life Hacks“ kennt, die sich in einem leeren Kleiderschrank am besten umsetzen lassen.

  1. Man besorge sich die Ringe, die oben auf Getränkedosen sitzen (einfach ein paarmal hin und her biegen, dann brechen sie ab) und zwar so viele, wie man Kleiderhaken im Schrank hat. Die werden nun über die Haken sämtlicher Kleiderhaken gestülpt. Auf diese Weise kann man nämlich, wenn der Haken belegt ist, platzsparend einen zweiten Kleiderhaken daran befestigen. Wer so viele Dosen nicht leertrinken mag, kann alternativ auch (kleine) Schlüsselringe nehmen. 
  2. Für Schals, Tücher usw. wird nun ein Draht-Kleiderbügel benötigt (wer keinen hat, einfach in der nächsten Reinigung fragen). Auf den unteren Querbügel werden nun große Schlüsselringe gefädelt, alternativ gehen auch Ringe für Duschvorhänge. Jeder Ring bekommt nun einen Schal zugeteilt und je nach Dicke bekommt man so 20 oder mehr dieser Accessoires auf einen Griff und platzsparend verstaut. 
  3. Für all die Sneakers, Flip-Flops und andere „Latschen“, von denen man sich nicht trennen wollte, ist ein Trip zum nächsten Weinhändler empfehlenswert. Da gibt’s nämlich Weinkartons, die sind innen in sechs Fächer (= drei paar Schuhe) unterteilt. Dort hinein kommen alle Treter, die der Jahreszeit nicht entsprechen. Mit Paketband zukleben und dann ab an einen trockenen Lagerort damit. 
  4. Für BHs werden nun Wandhaken zum Kleben benötigt (gibt’s im Ein-Euro-Laden oder im Baumarkt). Dann an der Schranktür-Innenseite mit Lineal und Bleistift einen waagerechten Strich aufzeichnen. Jetzt wird’s mathematisch: Je nachdem, wie viele Haken auf den Strich sollen, lässt sich der exakte Abstand zueinander berechnen. Auch der wird mit dem Lineal markiert und dann die Haken fröhlich aufgeklebt. Durch den exakten Abstand sieht das richtig ordentlich aus, gerade so, als wäre der Schrank so gekauft worden. 
  5. Nun wird eine Kette benötigt. Irgendeine, die aus runden Gliedern besteht. Die wird einfach senkrecht entweder an der Wand oder ebenfalls der Innenseite der Schranktür aufgehängt (etwa mit Schraubhaken). In die Glieder können nun alle Ohrringe schön platzsparend eingehängt werden.
Sommerputz: Warum Ausmisten gerade jetzt richtig ist.

Spätestens jetzt sollte im Schrank wieder richtig ordentlich viel Stauraum vorhanden sein – vor allem aber wird die meist unbenutzte Tür-Innenseite endlich mal anständig genutzt. Aber es gibt noch einen kleinen Hack, der für alle Damen taugt, die zur Gattung der Sonnenbrillen-Sammlerinnen gehören. Dazu braucht es einen Gang in die Herrenabteilung. Ziel ist es, einen sogenannten Krawattenbügel zu bekommen. Ein einfaches Teil, das ein bisschen aussieht wie ein Fisch mit Gräten. In diese „Arme“, die normalerweise die Schlipse halten, lassen sich die Sonnenbrillenbügel perfekt einhängen und ebenfalls platzsparend verstauen.

Fazit 

Warum das Frühjahr mit Ausmisten verbringen, wenn man doch gerade im Sommerurlaub die perfekte Mischung aus Zeit und einer bereits auf die Jahreszeit abgestimmten Garderobe im Schrank hängen hat? Wer jetzt die Zähne zusammenbeißt und die eingestaubten Zöpfe abschneidet, entledigt sich nicht nur unnützer Platzverschwender, sondern erntet viel Raum – und kann ganz nebenbei beim Sommerschlussverkauf und der neuen Herbstfashion umso härter zuschlagen, Platz ist ja jetzt vorhanden.

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