Schädliche Stoffe in den vier Wänden

Wohngifte: Das sind die häufigsten Krankmacher

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Wohngifte verstecken sich oft unbemerkt in den verschiedensten Materialien unserer Einrichtung.

Wohngifte verstecken sich oft unbemerkt in den verschiedensten Materialien unserer Einrichtung. Erst wenn Beschwerden wie Kopfschmerzen auftauchen, wird nach den Ursachen geforscht:

Sie lauern in Bodenbelägen, aufgeschäumten Tapeten oder auch in Farben und Lacken unserer Inneneinrichtung: Verschiedene Umweltgifte stellen vor allem in geschlossenen Räumen eine Belastung für unsere Gesundheit dar. 

Die Schadstoffe in unserer Umgebungsluft haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Ständig kommen neue Produkte auf den Markt, die mit Hilfe moderner Materialien hergestellt wurden. Chemische Zusätze sorgen dabei für besondere Eigenschaften, wie etwa eine längere Lebensdauer oder eine hohe Pflegeleichtigkeit. Diese Stoffe werden ganz natürlich in kleinen Dosen ausgedünstet. In der Wohnung können dabei schnell Konzentrationen erreicht werden, die sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Wir haben einen Blick auf die häufigsten Wohngifte geworfen.

Natürliches Gift - Schimmelsporen 

Dieser Klassiker unter den Wohngiften ist keinesfalls neu, zählt jedoch immer noch zu den am weitesten verbreiteten Krankmachern in unseren vier Wänden. Denn die Pilzsporen in der Luft können die verschiedensten Beschwerden von Reizhusten über Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder auch Hautkrankheiten auslösen. 

Eine Hauptursache für das Aufkommen von Schimmel ist eine schlechte Durchlüftung der Wohnräume. Dabei lässt sich Schimmelbildung recht einfach vermeiden, wenn grundlegende Regeln beachtet werden:

  • Richtiges Lüften, wobei durch kurzzeitig weit geöffnete Fenster die Raumluft ausgetauscht werden kann, sorgt dafür, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ansteigt. So wird den Sporen der Nährboden entzogen. 
  • Auch mit der passenden Einstellung der Heizung kann dem Befall durch Schimmel vorgebeugt werden. 
  • In manchen Fällen sind auch bauliche Mängel für eine ständig hohe Feuchtigkeit in den Wohnräumen verantwortlich. Hier hilft es nur, diese sorgfältig zu beseitigen.

Universelles Lösungsmittel - Formaldehyd 

Dieser Stoff wird seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts verstärkt für die verschiedensten Einsatzbereiche verwendet, er kommt in sehr geringen Mengen jedoch auch natürlich etwa in Holz vor. Bis heute spielt er eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Kunststoffen (Harnstoff- und Phenolharze), aber auch in der Kosmetikindustrie (Konservierungsstoff) oder bei der Textilveredelung (Glättmittel). 

Formaldehydverbindungen sind flüchtig und werden deshalb nach und nach vom Trägerstoff ausgedünstet. Sie werden in entsprechenden Dosen als krebserregend eingestuft. Hohe Konzentrationen wurden hier früher vor allem von Holzwerkstoffen wie Spanplatten oder Sperrholz erreicht. Heute sind diese Baumaterialien in drei Emissionsklassen unterteilt. Im Möbelbau wird inzwischen hauptsächlich die niedrigste Klasse eingesetzt. Bei Billigware aus Fernost sieht dies jedoch oft anders aus. 

Auch Teppiche und andere Wohntextilien sind häufig mit Formaldehyd belastet. Der Vorteil: Formaldehyd ist wahrnehmbar. Der stechende Geruch ist eindeutig zu bemerken. Beim Kauf sollte von solchen Produkten Abstand gehalten werden. Folgende Tipps können zusätzlich weiterhelfen:

  • Sind belastete Materialien fest verbaut worden, hilft regelmäßiges Lüften dabei, die Konzentration in der Luft zu reduzieren.
  • Verschiedene Pflanzen können die Luft reinigen und dabei vor allem auch Formaldehyd aus der Luft filtern. Bogenhanf, Efeu, Efeutute oder Drachenbaum wirken hier besonders effektiv.
Frisches Grün gegen giftige Stoffe. Verschiedene Zimmerpflanzen können giftige Stoffe aus der Raumluft filtern.

Die häufigsten Weichmacher - Phtalate

Mit rund 70 Prozent sind Phalate (Phtalsäureester) die am häufigsten eingesetzten Weichmacher. Sie werden vor allem in Kunststoffen, und hier vorwiegend bei PVC verwendet, um den sonst spröden Werkstoff geschmeidig zu machen. 

Diese chemische Verbindung wird gasförmig von den verschiedenen Materialien ausgedünstet oder kann durch Berührung über die Haut aufgenommen werden. Durch ihre besondere Molekularstruktur können sie im Körper ähnlich wie Hormone wirken und so beispielsweise Diabetes oder auch Unfruchtbarkeit hervorrufen. Problematisch ist zudem, dass der Stoff durch Auswaschen auch ins Grundwasser gelangt oder, einmal in den Organismus geraten, sich auch dort anreichern kann. Zudem gelten viele Lebensmittel heute als belastet, etwa durch den Kontakt von Plastikverpackungen. 

Obwohl der Einsatz von Phtalaten gerade in Spielzeug in der EU seit 2005 verboten ist, finden sich hier immer noch hohe Konzentrationen. Auch überraschend viele Alltagsgegenstände sind damit versetzt. Bei Stichproben der Stiftung Warentest fielen viele Produkte durch, weil sie zu hohe Konzentrationen der Weichmacher aufwiesen. Auch hier hilft beim Kauf die Nase weiter:

  • Fällt ein Produkt bereits im Verkaufsregal durch einen unangenehmen Geruch auf, sollte es nicht im Einkaufswagen landen. Statt Billigplastik zu kaufen gilt es, gerade bei Spielzeug auf natürliche Werkstoffe mit Umweltsiegel zu setzen. 
  • Viele Lebensmittel wie Obst und Gemüse ist ohne Plastikverpackung erhältlich, nicht nur auf dem Wochenmarkt, sondern inzwischen auch wieder in vielen Supermärkten.

Leichtflüchtige organische Verbindungen - VOCs 

Auch verschiedene organische Verbindungen, die sich durch ihren sehr niedrigen Siedepunkt leicht in die Umgebungsluft verflüchtigen. Diese VOCs (volatile organic compounds) finden sich als Lösungsmittel in den verschiedensten Produkten in unseren Haushalten, etwa in Reinigungsmitteln, Kleb- oder Farbstoffen. 

Die Einstufung der Stoffe bezüglich ihres negativen Einflusses auf die Gesundheit orientiert sich am jeweiligen Siedepunkt. Je niedriger dieser liegt, umso früher dünsten die gefährlichen Stoffe aus. Bedenklich sind hier jedoch auch solche, die einen relativ hohen Siedepunkt aufweisen, denn sie verdunsten dadurch umso langsamer und stellen auf diese Weise über Jahre eine Belastung für die Raumluft dar. Andere haben sich bereits auf dem Weg in die Supermarktregale schon verflüchtigt.

Farben und Lacke für den Heimgebrauch müssen in der Regel gekennzeichnet sein, wenn sie VOCs enthalten.

Einige Menschen reagieren sehr sensibel auf diese Lösungsmittel. Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder auch ständige Müdigkeit oder eine verminderte Leistungsfähigkeit können die Folgen sein. Insgesamt ist es jedoch schwer, die Symptome konkret mit den Auslösern in Verbindung zu bringen. Sie wurden deshalb unter dem Begriff „Sick Building Syndrom“ – „Gebäudekrankheit“ – zusammengefasst. Neben den VOCs werden hier noch die verschiedensten anderen Luftschadstoffe berücksichtigt. 

Die sogenannte europäische Decopaint-Richtlinie regelt die Grenzwerte von VOCs in Farben, Lacken und Baustoffen und soll so die Lösemittelemissionen einschränken. Allerdings sind davon Produkte wie beispielsweise Sprühlacke, Spachtelmassen oder bestimmte Kleber ausgenommen. Bei ihrer Anwendung sollte jeder Heimwerker besonders vorsichtig sein:

  • Produkte, die unter die Decopaint-Richtlinie fallen sind entsprechend gekennzeichnet und der Lösemittelgehalt muss auf der Verpackung zu finden sein. 
  • Sprühlacke sollten nur im Freien oder in ausreichender belüfteten Räumen verwendet werden. 
  • Alternativ sollte auf Produkte auf Wasserbasis zurückgegriffen werden.

Vorsicht bei Produkten aus anderen Ländern 

Für viele Schadstoffe gelten in Deutschland und in der EU bereits strenge Richtlinien, welche Grenzen vorgeben oder den Einsatz gefährlicher Substanzen ganz verbieten. Durch die weitläufigen wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern gelangen jedoch immer wieder Produkte auf unseren Markt, die hohe Konzentrationen an schädlichen Stoffen aufweisen können. 

Ein CE-Siegel wird beispielsweise einmal vergeben. Nachfolgende Chargen können dann jedoch wieder giftige Stoffe enthalten, wenn sich die Produzenten nicht an die Richtlinien halten. Umfangreichere Kontrollen sind dabei mit einem hohen Aufwand verbunden. Nur vereinzelt werden deshalb belastete Produkte aufgedeckt und aus dem Verkehr gezogen.

Viele Teppiche aus Naturmaterialien sind mit bedenklichen Insektiziden behandelt.

Zudem ist die gesamte Liste an Umweltgiften unendlich lang. Neben den oben aufgeführten sind noch zahlreiche weitere in Verwendung. Die wichtigsten sind hier nochmals kurz zusammengefasst:

  • PCP (Pentachlorphenol) und Lindan: Diese Mittel werden als Pestizid für die Behandlung von Holzwerkstoffen oder auch bei Textilien und Leder eingesetzt. Beide gelten als giftig und krebserregend und sind in Deutschland verboten. 
  • PCB (Polychlorierte Biphenyle): Als Weichmacher wurden diese chemischen Verbindungen in Dichtungsmassen eingesetzt oder finden sich in elektronischen Bauteilen. Sie können das Erbgut verändern und gelten ebenfalls als krebserregend. Auch PCB ist in Deutschland verboten. 
  • Pyrethroide: Das Insektizid ursprünglich natürlichen Ursprungs ist vor allem in chemisch veränderten Varianten gesundheitsschädlich. Letztere werden oft immer noch fälschlicherweise als Bio-Insektizid für die Schädlingsbekämpfung bei Teppichen eingesetzt. Deshalb sind Siegel wie das Wollsiegel, das ETG Teppichsiegel oder eine Schadstoffprüfung der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichböden mit Vorsicht zu genießen.

Übrigens 

Auch Tabakrauch gilt als Wohngift und wird als solches wohl am meisten unterschätzt. Zudem sind auch verschiedene Naturfarben oder Bio-Produkte nicht zwangsläufig frei von Schadstoffen. Materialien wie Linoleumböden oder auch Holzbehandlungsmittel auf Leinöl- oder Wachsbasis setzen Stoffe frei, die in Verbindung mit Sauerstoff zu bedenklichen Aldehyden oxidieren können. Empfindliche Menschen reagieren teilweise sogar auf natürliche Lösemittel wie Terpene, die von unbehandelten Hölzern ausgedünstet werden. 

Dennoch können Umweltsiegel bei der Auswahl von Baustoffen wie etwa der Blaue Engel oder das Natureplus-Label als Orientierung beim Kauf von schadstoffarmen Produkte dienen.

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