Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die Mittelschicht bangt um den Traum vom Eigenheim

Der Traum vom Eigenheim muss nicht unerfüllt bleiben.
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Der Traum vom Eigenheim muss nicht unerfüllt bleiben.

Seit der Corona-Krise wird es für Interessenten immer schwieriger, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. So zögern Banken immer häufiger, einen Kredit zu gewähren. 

Und wer nur wenig bis gar kein Eigenkapital mitbringt, muss mit teuren Risikoaufschlägen rechnen. Doch was steckt wirklich dahinter? Entsteht eine neue Zwei-Klassen-Gesellschaft und sogar die Mittelschicht muss um ihr lang ersehntes Eigenheim bangen?

Egal ob Eigentumswohnung oder Haus: Bevor es losgeht, sollten alle Kosten für Bau, Notar, Grundbuch und Co. genau durchgerechnet werden. Zudem sollten die Kosten keinesfalls zu eng kalkuliert werden, um mögliche Engpässe zu vermeiden. Wie wichtig z.B. ausreichend Eigenkapital bei der Finanzierung der eigenen vier Wände ist, zeigt ein Blick in den Baufinanzierungsrechner des Fachportals Kreditrechner.com. 

Dort haben wir den Kauf eines Einfamilienhauses für 500.000 Euro mit drei unterschiedlichen Werten für das vorhandene Eigenkapital bei 20 Jahren Sollzinsbindung und 3,00 Prozent anfänglicher Tilgung durchrechnen lassen. 

Die Werte für den niedrigsten Effektivzins sprechen für sich: 

  • ab 1,33% p.a. bei 20% des Kaufpreises als Eigenkapital (ab 1.613,75 EUR Monatsrate) 
  • ab 1,17% p.a. bei 30% des Kaufpreises als Eigenkapital (ab 1.387,88 EUR Monatsrate) 
  • ab 0,60% p.a. bei 40% des Kaufpreises als Eigenkapital (ab 1.051,05 EUR Monatsrate)

Veränderungen der Kreditrichtlinien der Banken

Seit der Corona-Krise sind auf dem Finanzmarkt deutliche und vor allem schnelle Veränderungen zu verzeichnen. Das macht das Vorhaben für Immobilieninteressenten und angehende Bauherren nicht leichter, wenn sie sich nach einem passenden Finanzierungsangebot umschauen.

Während einige Banken bei ihrer Kreditvergabepraxis eher wenig angepasst haben, sieht es bei anderen ganz anders aus. Um hier das Risiko eines Ausfalls zu reduzieren, wird anders kalkuliert. So wird beispielsweise die erste Tilgung deutlich erhöht oder es wird mehr Eigenkapital vorausgesetzt.

Dennoch sind nach wie vor Vollfinanzierungen möglich, um sich den Traum vom Eigenheim zu ermöglichen. Allerdings sollten Antragsteller hierfür eine gute Bonität mitbringen, da andernfalls mit einer Absage zu rechnen ist.

Hier hilft es darüber hinaus zu vergleichen und sich gegebenenfalls einen Experten zu suchen. Er weiß genau, worauf es ankommt und wo angesetzt werden muss.

Die Entwicklung der Bauzinsen in der Corona-Krise

Überall kommt es durch Corona zu deutlichen Veränderungen und Auswirkungen. Auch am Finanzmarkt geht die Pandemie nicht spurlos vorbei, weshalb hier eine besondere Verunsicherung herrscht.

Bestes Beispiel sind Bundesanleihen, zu denen viele Anleger flüchteten. Denn sie gelten als relativ stabil, da sie dauerhaft kontrolliert und angepasst werden. Dadurch, dass die an die Bundesanleihen geknüpfte Rendite sank, ist gleiches mit den Bauzinsen passiert. So entstand Anfang März eine Zinsbindung von 0,5 Prozent, die über zehn Jahre anhält. Das ist ein historischer Tiefstand.

Bleibt abzuwarten, ob der Trend weiter nach unten geht, oder ob die Zinsen wieder steigen werden. Um staatliche Anleihen stabil zu halten, wird mit Hilfspaketen unterstützt. Da das voraussichtlich auch in Zukunft der Fall sein wird, werden hier höchstwahrscheinlich auch die Renditen steigen. Dadurch bleiben die Bauzinsen stabil und werden nur minimal ansteigen. Sie werden also nicht zu stark anziehen.

Darüber hinaus ist wichtig, dass die stark schwankenden Zinsen bei einigen Banken für Unsicherheit sorgen. Das betrifft in erster Linie regionale Institute, die über ein kleineres Budget verfügen. Sie möchten kein Risiko eingehen und haben ihre Geschäfte deshalb vorübergehend vom Markt abgezogen. Andere hingegen bleiben beständig und passen die riskante Marge an. Sie wird folglich direkt an die Kunden weitergegeben.

Wichtig: Nicht zu eng kalkulieren!

Ist der Arbeitsplatz sicher und das Einkommen solide, steht einer Finanzierung rein theoretisch nichts im Wege. Allerdings ist aktuell zu empfehlen, dass die Finanzierungspläne keinesfalls zu eng kalkuliert werden sollten. Hierauf haben Banken zurzeit besonders ein Auge und agieren recht konservativ.

Wird eine Haushaltsrechnung vorgelegt und hier ist der Puffer zu klein, wird möglicherweise eine größere Sicherheitszone gefordert. Oder aber die Deckelung wird seitens der Bank deutlich angehoben. Das können beispielsweise zwischen 80 und 90 Prozent sein.

Wer seinen Finanzierungsplan also recht knapp kalkuliert und zudem auch noch vor einigen Wochen erstellt hat, muss unter Umständen mit einer Absage rechnen. Andernfalls ist hier eine Anpassung erforderlich.

Mögliche Herausforderungen für Immobilienkäufer

Neben den Veränderungen der Kreditrichtlinien und der Entwicklung von Bauzinsen können auch noch weitere Herausforderungen auf Immobilienkäufer zukommen.

Diese unterscheiden sich allerdings je nach Bundesland. Je nachdem, ob sich Immobilien in einem Hotspot befinden oder nicht, sind diese beispielsweise schwieriger zu besichtigen. Zudem kann es äußerst mühsam werden, einen zeitnahen Termin beim Notar zu erhalten.

Mögliche Behinderungen für Bauherren

Wer eine geeignete Immobilie zum direkten Kauf gefunden hat und einer Finanzierung nichts mehr im Wege steht, hat Erfolg. Möchten Bauherren ihr Eigenheim allerdings von Grund auf neu errichten, kann hier den einen oder anderen Engpass erleben.

Das liegt unter anderem daran, dass einige Fachkräfte in der Baubranche aus dem Ausland kommen und deren Anreise durch Beschränkungen schwierig wird. Aber auch in puncto Materialbeschaffung kann es möglicherweise zu Problemen kommen. Diese Punkte sorgen unterm Strich dafür, dass das Bauvorhaben deutlich ausgebremst wird.

Zu guter Letzt wären da noch sämtliche Genehmigungsverfahren, die zurzeit ebenfalls nicht so schnell wie gewohnt bearbeitet werden können. Denn ohne die entsprechende Genehmigung der Gemeinde oder Stadt kann das Bauvorhaben nicht beginnen.

Fazit

Wer sich ein eigenes Eigenheim kaufen oder neu bauen möchte, hat es auch abseits einer Krise wie Corona ohnehin nicht einfach. Kommen dann noch verschärftere Anforderungen wie ein zu knapp kalkulierter Finanzierungsplan dazu, kann es zu weiteren Schwierigkeiten kommen.

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